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25.10.2014 : 16:32 : +0200

Pater Shay Cullen

Pater Shay Cullen | Philippinen

Begründung des Vergabebeirates

Der Stadtrat hat dem Vorschlag des Vergabebeirates zugestimmt, mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar den Iren Pater Shay Cullen zu ehren. Mit ganzer Kraft setzt er sich seit drei Jahrzehnten auf den Philippinen für die Rechte der Kinder ein und bekämpft auf mehreren Ebenen besonders die brutalen Kinderrechtsverletzungen im Bereich des sexuellen Missbrauchs. 1973 gründete Shay Cullen in Olongapo City die private Hilfsorganisation PREDA, deren Schwerpunkt zunächst die Drogenbekämpfung war. Mit Zunahme der Kinderprostitution wurde PREDA unter der Leitung von Cullen eine Stätte der Zuflucht für die kindlichen Opfer.

Der Vorschlag für den diesjährigen Menschenrechtspreis wurde von dem international agierenden Verein „Tatort – Straßen der Welt e.V.“ unterbreitet. In dem Brief an die Stadt werden auch die Hintergründe dafür beleuchtet: In Olongapo (Philippinen), einer ehemaligen Marinebasis der US-Navy, hatte sich im Zuge des Vietnamkrieges ein ausgedehnter Rotlichtbereich entwickelt, dessen „Infrastruktur“ nach dem Rückzug der Amerikaner nahtlos von der Tourismusindustrie übernommen wurde und fortgeführt wird. Es entstand organisierter Kinder-Sextourismus, von dem amerikanische, europäische und australische Männer reichlich Gebrauch machen und der zu dem Schrecklichsten gehört, was Kindern angetan wird.

Es ist der Verdienst von Shay Cullen, dass diese verborgenen Strukturen entdeckt wurden. Der Pater ermittelt unter großer persönlicher Gefahr verdeckt im Milieu, indem er Scheingeschäfte eingeht, um Zuhälter und Kinderhändler zu entlarven. Er setzt sich vehement und oft im Kampf mit korrupten lokalen Behörden dafür ein, dass die Täter überführt und vor Gericht gebracht werden. Die erste Verurteilung eines deutschen Kinderschänders wegen im Ausland begangener Verbrechen (1996 in Iserlohn) geht ebenfalls auf das beharrliche Engagement Shay Cullens zurück. Der Pater liegt wegen seiner Ermittlungen nicht nur mit den Behörden auf den Philippinen im Konflikt, sondern wurde selbst als angeblicher Kinderschänder denunziert. Er lebt mit ständigen Morddrohungen durch die Mafia und internationale Kinderhändlerringe. Dennoch setzt er sich unbeirrt auch auf politischer Ebene für die elementaren Rechte der Kinder ein, stärkt ihre Lobby und tritt unerschrocken auf internationalen Foren öffentlich gegen die sexuelle Folter von Kindern auf.

Unter Leitung von Pater Shay Cullen hat die Hilfsorganisation PREDA ein Programm entwickelt, um den Opfern – zumeist Straßenkindern – die Wege in ein normales Leben zu ebnen. Für die traumatisierten Kinder wurde ein Heim geschaffen, das ihnen Geborgenheit und Schutz bietet. Sie werden von ausgebildeten Psychologen therapiert und erhalten eine Schulbildung.

Mit Pater Shay Cullen ehrt die Stadt Weimar einen Menschen, der sich ungeachtet eigener Lebensgefährdung und unbeirrt für die Verwirklichung der „Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes“ einsetzt.