Sie sind hier: Preisträger > Preisträger 2004
DeutschEnglishFrancais
31.10.2014 : 13:37 : +0100

Paul Polansky

Paul Polansky | Kosovo / USA

Begründung des Vergabebeirates

Am 21. Juli 2004 hat der Weimarer Stadtrat einstimmig beschlossen, den diesjährigen Menschenrechtspreis an den Historiker und Journalisten Paul Polansky (USA/Kosovo) zu verleihen, der sich unter Einsatz seines Lebens für die im Kosovo lebenden Minderheiten der Roma und Aschkali einsetzt.

Damit folgt er einem Vorschlag von Nobelpreisträger Günter Grass und der Gesellschaft für bedrohte Völker. Günter Grass schreibt in seiner Begründung: "Polansky hat eine Reihe von Büchern über das Schicksal von Roma und Sinti veröffentlicht, darunter Publikationen über das Schicksal dieser Volksgruppe während der Nazizeit in der Tschechoslowakei".

Polansky hat eine Reihe von Büchern über das Schicksal von Roma und Sinti veröffentlicht, darunter Publikationen über das Schicksal dieser Volksgruppe während der Nazizeit in der Tschechoslowakei. Während seines 10jährigen Aufenthaltes in Tschechien nach der Wende hat er die Bürgerrechtsbewegung der tschechischen Roma unterstützt.

Als Redakteur des tschechischen Fernsehens erlebte er im Kosovo nach dem Einmarsch der NATO-Truppen furchtbare Pogrome an den Minderheiten, vor allem den Roma und Aschkali, die zur Vertreibung von inzwischen neunzig Prozent dieses Bevölkerungsteiles führten. Seither hat Polansky, seine berufliche Karriere aufs Spiel setzend, sich im Kosovo mit ganzer Kraft für das Überleben der verfolgten und verachteten Volksgruppen eingesetzt. [...]

Paul Polansky hat immer wieder sein Leben aufs Spiel gesetzt, um das Leben von Roma zu retten. Deshalb ist Polansky meiner Ansicht nach ein würdiger Kandidat für den Weimarer Menschenrechtspreis.

Lebenslauf

Geboren am 1.2.1942 in Mason City in Iowa (USA) als Kind deutscher und tschechischer Einwanderer.

Er verließ aus Protest gegen den Vietnamkrieg die USA und lebt seither in Europa. 1990 ließ er sich in Prag nieder und widmete sich den diskriminierten Roma und Sinti, über deren Schicksal er insgesamt neun Bücher veröffentlichte.

1999 ging Polansky im Auftrag des tschechischen Fernsehens in den Kosovo und wurde dort Zeuge der Pogrome an den Roma und Aschkali, die zwischen die Fronten von Albanern und Serben gerieten: 75 Siedlungen und 14000 Wohnhäuser der Roma wurden zerstört, etwa 1000 Roma und Aschkali wurden in Flüchtlingslagern untergebracht.

Seit 1999 ist Polansky im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker im Kosovo tätig. Er sorgte für humanitäre Hilfe in den Flüchtlingslagern und organisierte u.a., dass nach Angriffen auf das Lager Obilic 400 Roma und Aschkali nach Mazedonien flüchten konnten. 2003, als die mazedonische Regierung den Flüchtlingen die Gastfreundschaft kündigte, rettete er mit seinem Einsatz viele Kinder und Kranke vor dem sicheren Tod.

Obwohl selbst herzkrank, unterstützt er mit einem Team von Helfern bis heute diese Minderheiten auf jede Weise und dabei selbst vielen Angriffen ausgesetzt.