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29.7.2014 : 12:42 : +0200

Riad Seif

Riad Seif | Syrien

Begründung des Vergabebeirates

Herr Riad Seif, Jahrgang 1946, ehemaliger unabhängiger Abgeordneter der syrischen Nationalversammlung und Leiter des ?Nationalen Dialogforums?, engagiert sich seit Jahren sehr mutig für Demokratie und Bürgerrechte in seinem Land.

Er fordert politische Reformen und demokratische Wahlen. Sein Engagement und seine friedlichen Aktivitäten interpretierte man als Versuch eines gewaltsamen Staatsstreichs. Im September 2001 wurde er zusammen mit einer Reihe prominenter, ihn unterstützender Rechtsanwälte, Professoren und Journalisten festgenommen.

Im Rahmen eines mehrere Monate währenden Schauprozesses verurteilte man ihn im April 2002 zu fünf Jahren Gefängnis. Auch während des Prozesses nutzte Herr Seif jede Gelegenheit, um demokratische Verhältnisse, Achtung der Menschen- und Bürgerrechte sowie die Gewährung der Pressefreiheit zu fordern.

Da sich Herr Seif noch immer in Haft befindet, nahm seine Tochter den Preis entgegen.

Der Vorschlag wurde eingereicht vom Leiter des Goethe ? Instituts Kyoto / Japan, Herrn Björn Luley, zuvor langjähriger Leiter des Goethe ? Instituts Damaskus /Syrien.

Lebenslauf

Riad Seif wurde als Sohn eines Zimmermannes am 25.11.1946 im Gebiet Al-Midan, Damaskus, geboren. Als Mitglied einer großen, kinderreichen Familie war er gezwungen, bereits während seiner Schulzeit gleichzeitig zu arbeiten. Nach Beendigung der High School begann er ein Studium an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Damaskus, das er jedoch abbrach, um mit seinen Brüdern eine Werkstatt zur Herstellung von Herrenhemden zu betreiben. Bereits als junger Mann begann er, sich für Politik zu interessieren.

1980 gründete Riad Seif eine Textilfabrik mit 300 Arbeitsplätzen, davon zwei Drittel für Frauen. Gutes Management, Qualitätserzeugnisse, aber auch vorbildliche Sozialleistungen machten das Unternehmen weithin bekannt. 1994 kandidierte er bei den Parlamentswahlen und erhielt unter den unabhängigen Kandidaten von Damaskus die meisten Stimmen. Als Parlamentarier kritisierte er die Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik der Regierung, prangerte Korruption in hohen Ämtern an und setzte sich für Reformen ein. Er rief ein „Forum des öffentlichen Dialogs“ ins Leben, auf dem politische und wirtschaftliche Reformen diskutiert wurden und das in verschiedenen Städten Nachahmung fand. Als Vorstandsmitglied des „Nationalen Komitees für Menschenrechte“ setzte er sich nachdrücklich für demokratische Verhältnisse in Syrien und die Erhaltung der Menschenrechte ein. [...]