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2.10.2014 : 2:18 : +0200

Dr. Luis Guillermo Perez Casas

Dr. Luis Guillermo Peréz Casas | Kolumbien

Aus der Begründung des Vergabebeirates

Dr. Luis Guillermo Pérez Casas soll für sein vielfältiges Eintreten für die Menschenrechte geehrt werden. Als Mitglied der kolumbianischen Anwaltsvereinigung „Abogados Democratas" (Demokratische Anwälte) gibt er Rechtsberatung und Rechtsbeistand für Opfer politischer Gewalt. Dr. Pérez Casas hat gemeinsam mit seinen Anwaltskollegen einen Weg gefunden, dass Leben und die Freiheit der von Gewalt und Rechtlosigkeit betroffenen kolumbianischen Zivilbevölkerung zu verteidigen und setzt sich auch ein für Schadensersatzansprüche gegenüber staatlichen Stellen, die an Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren. Aufgrund ihres Eintretens für die Menschenrechte sind Dr. Pérez Casas und seine Kollegen massiver Bedrohung und Verfolgung ausgesetzt, so dass einige nur durch das Exil dem sicheren Tod entkommen konnten. Andere wurden getötet, wie der Rechtsanwalt Javier Barriga Verguel am 16. Juni 1995. Auch Dr. Luis Guillermo Pérez Casas war dem Druck paramilitärischer Gruppen und der staatlichen Sicherheitsorgane ausgesetzt. Er und seine Familie wurden verfolgt und wiederholt bedroht, so dass er sich schließlich gezwungen sah, das Land zu verlassen. Der 33jährige lebt im europäischen Exil. Dr. Pérez Casas verteidigt mit seinen Anwaltskollegen mehrere brisante Fälle des Mordes an Bauern in der Provinz Caucas im Süden Kolumbiens. In der Dorfgemeinde Trujillo waren 107 indianische Bauern festgenommen, gefoltert, getötet und zerteilt worden. Ihre Leichenteile wurden in den Cauca-Fluß geworfen. Dr. Pérez Casas hat die Hinterbliebenen, im wesentlichen Frauen und Kinder, verteidigt mit einer Schadensersatzforderung an den Staat, weil neben den Paramilitärs und Mafiamitgliedern auch Polizeiangehörige beteiligt waren. Die Anklage gegen den kolumbianischen Staat auf Schadenersatz wurde auch der interamerikanischen Kommission für Menschenrechte vorgetragen. In einem weiteren Beispiel wurden 20 indianische Paez in der Gemeinde Caloto im Cauca von Polizisten und gedungenen Mördern umgebracht. Die indianische Gemeinde sollte von dem jahrhundertelang angestammten Landbesitz vertrieben werden.

Dr. Pérez Casas vertritt mit seinen Anwaltskollegen wiederum die Familienangehörigen der Ermordeten in dem Strafprozess gegen die Polizei und hat auch hier eine Entschädigung für die Opfer bzw. die Hinterbliebenen gefordert. Auch dieser Fall wurde vor die interamerikanische Menschenrechtskommission gebracht und auch der Menschenrechtskommission der UNO vorgetragen.

Ein dritter Fall ist das Massaker in der Gemeinde Los Uvos, auch im Cauca, wo 17 Bauern von Soldaten ermordet wurden. In diesem Fall konnte eine Verurteilung von vier hohen Militärs bis zum General erreicht werden. Wiederum wird der Staat verklagt, eine Entschädigung zu zahlen.

Jetzt plant Dr. Luis Guillermo Pérez Casas gemeinsam mit „terre des hommes", der nach amnesty international zweitgrößten Menschenrechtsorganisation in Deutschland, ein Projekt für Kinder, insbesondere Straßenkinder, die Menschenrechtsverletzungen zum Opfer gefallen sind. Es ist bereits bekannt, dass er die mit dem Menschenrechtspreis verbundene Zuwendung von 5000 Mark für dieses Projekt verwenden möchte. Täglich werden in Kolumbien ungefähr acht Kinder ermordet, davon vier allein in Bogotá. In Kolumbien nennt man die Ermordung von Straßenkindern „soziale Säuberung". Viele dieser Morde verüben ungesühnt Polizeibeamte oder gedungene Mörder, die in deren Auftrag arbeiten. Dies muss ein Ende haben. Die Interessen dieser Kinder sollen von Rechtsanwälten gegenüber dem Staat vertreten und eingeklagt werden. Andere Kinder, Angehörige oder Straßenpädagogen, die Anklage erheben, sollen von dem Rechtsanwaltskollektiv vertreten werden. Diese Personen werden unentgeltlich rechtlich beraten, betreut und vertreten. Auch hier soll der entsprechende Schadensersatz eingeklagt werden und man hofft auf eine abschreckende Wirkung, um das Leid der Kinder zu beenden.

Lebenslauf

Dr. Luis Guillermo Pérez Casas wurde am 10. Dezember 1962 in El Libano, Kolumbien, geboren. Er studierte an der Universität Bogota Jura und Politikwissenschaften und war Mitbegründer eines Menschenrechtskomitees an der Universität. Auf Empfehlung eines Juraprofessors kam er 1987 zu dem Anwaltskollegium „Jose Alvear Restrepo“. 1990 war er Vertreter der Menschenrechtskommission Kolumbiens bei der UNO. 1993 nahm er an der Weltkonferenz für Menschenrechte in Wien teil. Heute ist er Vertreter seines Anwaltkollegiums in Europa und arbeitet eng mit amnesty international und MISEREOR zusammen. Er ist Vater von 3 Kindern und seine Frau ist Psychologiepädagogin.